Sabrina Hoppe: Öffentliche Theologie

Was verbirgt sich hinter dem Programm einer „Öffentlichen Theologie“, das unter dem Ratsvorsitzenden der EKD, Bedford-Strohm, derzeit zu Popularität gelangt? Die Theologin Sabrina Hoppe schreibt über die fließenden Grenzen zwischen politscher Predigt, kirchlicher Parteipolitik und engagiertem Glauben.

Das Bild, das Philipp Stoltz dankenswerterweise für die Ankündigung meines Vortrags ausgewählt hat, führt uns gleich mitten hinein in die Diskussion um den Begriff der Öffentlichen Theologie und in die Rede darüber, was gemeint ist, wenn heute in kirchlichen Verlautbarungen von der Öffentlichen Theologie die Rede ist.

Da sitzen nun der evangelische Bundespräsident, ein Pfarrer, der Ratsvorsitzende der EKD und bayerischer Landesbischof und die evangelische Kanzlerin nebeneinander bei einer offensichtlich hochoffiziellen Veranstaltung. Im Anschluss wird sich der Ratsvorsitzende wahrscheinlich freudig erheben und strahlend so etwas sagen wie: „Ich freue mich sehr, dass ich als Ratsvorsitzender heute hier zu Ihnen sprechen darf! (…) Gerade heute ist es doch so wichtig, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen, wenn es darum geht, Menschenrechte und Menschenwürde zu bewahren und den Riss der derzeit unser Land spaltet nicht noch größer zu machen. (…) Als Kirche stehen wir hier vor der besonderen Verantwortung, uns öffentlich für diejenigen einzusetzen, die keine Stimme haben, wir müssen einstehen für das, was unsere Gesellschaft lebenswert macht und was letztlich auch eine zentrale Botschaft des Evangeliums darstellt:  Dass es um den Menschen gehen muss!“

Ich hoffe, Sie verzeihen mir diese kleine Karikierung unseres Landesbischofs, den ich persönlich sehr gerne mag…! Aber eine solche Rede könnte er gut halten und eventuell wäre sie überschrieben mit dem Titel „Öffentliche Theologie als Aufgabe der Kirche“

Soweit, so gut: Dass sich die Kirche für die Rechte der Schwachen einsetzt, diakonisch handelt und auf eine humane Gesellschaft pocht, ist nichts Neues. Die Denkschriften der EKD stehen unter diesem Duktus und Beiträge in Funk und Fernsehen vermelden solcherlei Äußerungen unaufgeregt und mit der Erwartung des immer Gleichen. Doch in den letzten Jahren ist es zu einer Zuspitzung solcher Meldungen gekommen, was insbesondere mit der Person Heinrich Bedford-Strohms selbst zu tun hat. Seit 2011 ist der Pfarrer und spätere Professor für Systematische Theologie an der Universität Bamberg Landesbischof der ELKB und setzt zweifelsohne in dieser Position neue Akzente: Er ist in den sogenannten Neuen Medien unglaublich präsent, er twittert, facebookt, er schreibt Artikel, predigt und strahlt dabei umfassend gute Laune und eine wirklich beeindruckende Lust an seiner Arbeit aus. Zu den Schlüsselworten seiner Reden gehört dabei der Ausdruck „Öffentliche Theologie“. Bevor ich dazu komme, was er genau damit meint, möchte ich Sie ein wenig über die Geschichte dieses Begriffs informieren.  Anschließend versuche ich, Ihnen die Strukturierung und die Akzente dieses Ansatzes deutlich zu machen um davon ausgehend zur laut werdenden Kritik an dem Konzept zu kommen – nicht ohne jedoch auch nach den Hintergründen dieser Kritik zu fragen.

Und danach freue ich mich auf eine hoffentlich rege Diskussion zu der Frage: Wo liegen die Grenzen und Übergänge zwischen politischer Predigt, kirchlicher Parteipolitik und engagiertem christlichen Glauben?

Ich möchte zunächst festhalten, dass hinter dem Begriff  Public Theology – das ist das englische Pendant zu „Öffentliche Theologie“ – kein fest definiertes Programm steht – was im Übrigen für die meisten theologischen Programme und Schlagworte gilt. Theologische Programmformeln sind kontextuell und historisch bedingt und nicht selten dienen sie der Komplexitätsreduktion, ohne dass sie einen Erkenntnisgewinn mit sich brächten. Ich möchte Sie deshalb nicht mit einer begriffsgeschichtlichen Herleitung langweilen, aber dennoch die Diskurszusammenhänge, in denen die Public Theology entstanden ist, kurz skizzieren.

Ich lade Sie daher ein zu einem Rückblick in die USA der 70er Jahre, als Martin E. Marty, ein lutherischer Pastor und Kirchengeschichtler den Terminus public theology zum ersten Mal in einem Vortrag verwendete: Er beschrieb mit ihm die Person und das Wirken Reinhold Niebuhrs. Ein amerikanischer Theologe, der sich insbesondere mit der Sozialethik auseinandersetze. Marty nannte ihn einen „public theologian“ und meinte das durchaus anerkennend.

Der Soziologe Robert N.Bellah wiederum, der Erfinder des Begriffs Zivilreligion [1], auf den ich gleich noch eingehen werde, griff Martys Formulierung erfreut auf: Er ermöglichte es ihm, sein Verständnis von Zivilreligion zu schärfen. Unter Zivilreligion verstand Bellah die religiösen und theologischen Gehalte des politischen Diskurses, die auf einen Konsens unter den Staatsbürgern ausgelegt sind, den kleinsten gemeinsamen Nenner einer Gesellschaft also. Die Zivilreligion legitimiert mit diesem Konsens Staat und Gemeinwesen und leistet somit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration – Bürgerinnen und Bürger teilen ein gemeinsames Repertoire von Werten und gemeinsame weltanschauliche Ziel- und Handlungsvorstellungen – soweit Bellahs Vorstellung, die natürlich die amerikanische Trennung von Staat und Kirche und die gleichzeitig häufige Verwendung religiöser Symbole und biblischer Zitate im öffentlichen Leben zum Hintergrund hatte.

Als genuine Merkmale einer Zivilreligion können wir damit festhalten:

  1. sie wird nicht durch eine Institution repräsentiert;
  2. man kann nicht Mitglied dieser „Religionsgemeinschaft“ werden;
  3. verfügt sie über kein einheitliches „Lehrgebäude“ – und vor allem
  4. ihre Inhalte werden nicht explizit kommuniziert, sondern vielmehr praktiziert und gelebt.

Und hier brachte Bellah nun Martys Begriff der Public Theology ins Spiel: Die Aufgabe der Kommunikation dieser Zivilreligion, gewissermaßen ihre Organisation und Orientierung in der Öffentlichkeit angesichts der mehr oder weniger „wabernden“ Zivilreligion, fiel nach Bellah der sogenannten Public Theology zu: Sie sollte von ihrem genuin christlich-theologischen Standpunkt aus Orientierung in gesellschaftlichen Fragen vermitteln und dabei helfen, die zivilreligiösen Inhalte des politischen Diskurses zu ordnen und damit gleichzeitig ein kritisches Korrektiv zur Zivilreligion darstellen. Dies ist einer der Entstehungskontexte der Public Theology – als ethisch-theologischem und normativem christlichen Korrektiv einer öffentlich präsenten Zivilreligion.

Ein zweiter Entstehungskontext der Public Theology liegt in den politischen Theologien der 60er und 70er Jahre, als deren Weiterentwicklung sich Öffentliche Theologie heute begreift. Spätestens seit der Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft 1966 in Genf entwickelte sich in der Ökumene ein scharfes Bewusstsein für die Ungerechtigkeit der wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen Norden und Süden und ein großes Mitgefühl und eine breite Sympathie für die Widerstandsbewegungen in Latein- und Südamerika. Die Vollversammlungen in Upsalla (1968) und Nairobi (1975) brachten neue politische Theologien auf die Tagesordnung, die ihren Kulminationspunkt in der Theologie der Befreiung fanden, die in Europa in der Friedensbewegung auf einen fruchtbaren Nährboden fiel – so auch in der deutschen akademisch-theologischen Landschaft (als Beispiele nenne ich Heinz-Dietrich Wendland, Jürgen Moltmann und Dorothee Sölle). Der befreiungstheologische „Vorrang für die Armen“, die in Schrift und Bekenntnis belegte Überzeugung, dass der Glaube an Jesus Christus zu Freiheit und Gerechtigkeit befreit – das sind die normativen Grundlagen sowohl der politischen Theologien der 60er/70er Jahre als auch der public theology –  von der eigentlich nur im Plural gesprochen werden kann, da sie kontextbezogen und handlungsorientiert gedacht wird. Der starke sozialethische Impetus jeder Public Theology richtet sich in jeder ihrer Fassungen auf die Gesellschaft – das öffentliche Bekenntnis zu Jesus Christus schließt das öffentliche politische Engagement mit ein – parrhesia, die Freimütigkeit, da zu reden, wo andere opportunistisch schweigen, das ist ein Leitbegriff der public theology – nicht umsonst gilt Dietrich Bonhoeffer mit seinem Diktum „Dem Rad in die Speichen fallen“ als theologischer Gewährsmann der Public Theology.  Dies ist also der zweite Entstehungskontext der Public Theology – als gesellschaftskritischer Theologie, die das Evangelium als Option für die Armen verkündet und als „Stimme der Sprachlosen“ Partei für diejenigen ergreift, die selbst keine Lobby haben. Kontexte sind hier zum Beispiel Brasilien und Südafrika, Länder, in denen auch aktuell und an den Universitäten mit Hochdruck an einer eigenen Formulierung einer Öffentlichen Theologie gearbeitet wird: Einer Theologie, die in gesellschaftlichen Prozessen mitredet und die – ein Kerngedanke der Öffentlichen Theologie – ihr Nachdenken ganz in den Dienst der Kirche stellt.

Und hier, im Kontext der politischen Theologien der 1970er Jahre, kommt nun auch Heinrich Bedford-Strohm ins Spiel, besser gesagt, sein Doktorvater, der Ihnen ebenfalls nicht unbekannt sein wird: Wolfgang Huber hatte bereits 1972 in seiner Habilitationsschrift „Kirche und Öffentlichkeit“ (1972) die Notwendigkeit einer Veränderung der Theologie festgestellt, ohne die die Kirche ihre Verantwortung in der Öffentlichkeit nicht wahrzunehmen vermöge und die in erster Linie darin bestehen solle, zur Versöhnung beizutragen, den Frieden zu fördern: „Diese Aufgabe hat eine Neuorientierung der Theologie zur Voraussetzung. Sie muss in ihr Kirchenverständnis die Konfliktfelder einbeziehen, in denen die Kirche jeweils leidend oder handelnd existiert. (…) Soll die Theologie zur Kritik, Klärung und Planung des kirchlichen Lebens- und Handlungsprozesses beitragen, so muß sie von den gegenwärtigen und zukünftigen Handlungsaufgaben der Kirche her entworfen werden.“ [2] Die Kirche sollte „in ihrem öffentlichen Handeln als gesellschaftlicher Verband“ [3] begriffen werden. Man merkt an Hubers Formulierungen, an seiner Wortwahl: er hatte sich mit der Soziologie, der Philosophie eingehend auseinandergesetzt. Hier spricht ein Theologe, der die Kirche nicht als Gebäude mit hohen Mauern versteht, sondern als Teil der Zivilgesellschaft.

Bedford-Strohm führt Hubers Ansatz fast 20 Jahre später fort. 1999 schreibt er, Kirche und Zivilgesellschaft könnten ihren Beitrag zum „sozialen Zusammenhalt in der modernen pluralistischen Gesellschaft leisten“, indem sie „selbstbewusst als aktiver Teil einer liberal-kommunitär verstandenen Zivilgesellschaft“ agierten. [4] Was genau meint er damit? Ich glaube, dabei hat sich sein Konzept in den letzten 15 Jahren wiederum nicht großartig verändert: Die Kirche solle als „Schrittmacherin“ für das Gemeinwohl wirken, da die christliche Freiheit per se über die Kirchenmauern hinausweise und den „universalen Horizont des Evangeliums“ und damit das Gemeinwohl im Blick habe. [5] Bedford-Strohm postuliert damit sowohl eine öffentliche Kirche, als auch eine „öffentliche Theologie.“ Ich kürze an dieser Stelle den Gang durch Bedford-Strohms Konzept etwas ab. Aber es sollte deutlich geworden sein: Sein Ansatz ist soziologisch informiert und durchdacht und geht natürlich über ein plattes „Kirche soll sich einmischen!“ hinaus. Aber genau an einer solchen Kurzschluss-Definition entzündet sich derzeit viel Kritik an der sogenannten Öffentlichen Theologie. Bevor ich zu der Kritik im Einzelnen komme, hier noch der Versuch einer Pointierung, bei der ich mich an den Überlegungen Wolfgang Vögeles orientiere:

Öffentliche Theologie begreift sich als ökumenisch, was heißen soll, dass der Anspruch darin besteht, dass der Reflexionsvollzug, den die Öffentliche Theologie leistet, sich nicht nur auf die verfasste Institution Kirche, landeskirchliche Gremien und Synoden bezieht, sondern auf alle ChristInnen und kirchlichen Gruppen. Öffentliche Theologie versteht sich als plural und offen, was bedeutet, dass sie gleichzeitig stark kontextbezogen arbeitet. Und was auch heißt: Alle theologischen Disziplinen, nicht nur die Ethik sind grundsätzlich denkbar als Öffentliche Theologie. Weiter zu nennen ist die grundsätzliche Bezogenheit der Öffentlichen Theologie auf die Kirche: Der Öffentlichkeitsanspruch des Evangeliums, die parrhesia, die „Freimütigkeit“ der biblischen Botschaft, die gelte auch für die Kirche: Sie solle freimütig reden, wo andere schweigen. Somit kommen wir auch zum sogenannten orientierend-dialogischen Moment der Öffentlichen Theologie: Öffentliche Theologie will auf den Orientierungsbedarf der Gesellschaft eingehen und setzt dabei voraus, dass hinter aktuellen Fragestellungen und Problemkonstellationen oft Sinnfragen stehen, Fragen etwa nach dem Wert des Lebens oder der Bedeutung von Gerechtigkeit.

So, nun kommen wir aber endgültig zur Kritik an der Öffentlichen Theologie – und ihren Hintergründen.

Kritik schlägt der Öffentlichen Theologie vor allem aus einem ganz bestimmten Milieu entgegen: So kritisierte der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble eine einseitige Politisierung der EKD und befürchtete den Verlust des religiösen Kerns innerhalb des Protestantismus. Ähnlich sehen das auch andere Protestanten. So formuliert der Münchner Theologieprofessor Christian Albrecht seine Kritik an „unmittelbaren biblischen Argumentationen, kurzschlüssigen Folgerungen oder weltfremden Forderungen im predigtartig moralisierenden Ton.“ Er betont: Während liberalkonservative Modelle Politik und Religion zu trennen versuchen, so setze die Öffentliche Theologie auf die Domestizierung der Politik durch Religion. Einfacher gesagt: Die Öffentliche Theologie setzt schnell voraus, dass das, was als christlich begriffen wird, auch das Richtige ist und das, was nun zu tun ist.

In diese Kerbe schlägt auch der bekannte Theologe Friedrich Wilhelm Graf. Er kritisiert vor allem den Anspruch, den er derzeit in der EKD-Führung verkörpert sieht, die Kirche müsse sich „einmischen“: Das Wort „einmischen“ finde ich nicht angemessen. „Wir mischen uns ein“, das ist kirchlicher Jargon. Die Kirchen sind in einer pluralistischen, demokratisch verfassten Gesellschaft nichts anderes als große Verbände. Wie viele andere Verbände können auch sie sich zu politischen Fragen äußern. Allerdings haben Bischöfe und Synoden kein allgemeinpolitisches Mandat. Für Politik sind in unserer Gesellschaft in erster Linie die politischen Parteien zuständig, und das klügste politische Engagement von Christen besteht darin, in eine Partei einzutreten und in ihr aktiv zu sein.“ Meines Erachtens erkennt Graf hier ein fundamentales Problem des im Begriff der Öffentlichen Theologie suggerierten Verständnis von Gesellschaft: Obgleich die Kirche als ein zivilgesellschaftlicher Akteur unter vielen betont wird, schwingt in der Rede vom „Einmischen der Kirchen in die Politik“ eine Dichotomie, ein Gegensatz von Kirche und Gesellschaft mit, der den Anspruch, selbst Teil der Öffentlichkeit zu sein, unterläuft. Eine zweite, nicht zu unterschätzende Schwierigkeit bei der politischen Positionierung der Kirche in ethischen Fragen ist die von Graf weiter genannte Suggestion einer moralischen Eindeutigkeit einer Situation, wie sie z.B. in dieser Aussage Heinrich Bedford-Strohms zu finden ist: Ist es wirklich so einfach mit der ethischen Orientierung, wie es Bedford-Strohm formuliert? „Im Grunde ist es ganz einfach: Wo die politisch Verantwortlichen sich an ethischen Maßstäben orientieren, wo sie in ihren politischen Entscheidungen soziale Gerechtigkeit, die Bewahrung der Natur, den Schutz des Lebens und die Überwindung der Gewalt fördern, verdienen sie Unterstützung. Wo sie dem entgegenarbeiten, muss zur rechten Zeit und am rechten Ort ein klares Wort der Kritik gesprochen werden.“ [6]

Graf wirft kirchlichen Stellungnahmen wie diesen vor, die Widersprüchlichkeiten des Lebens und die damit verbundenen unterschiedlichen Sichtweisen nicht zu berücksichtigen und kritisiert den moralisierenden Charakter einer solchen „Präambel-Theologie“. Ich überlasse es Ihnen, sich an dieser Stelle zu positionieren, aber ich möchte noch kurz ein paar Worte dazu sagen, wie die genannte Kritik von Graf und Albrecht auch verstanden werden könnte:

Es wird zumeist dann von einer „Politisierung“ der Theologie und der Kirche gesprochen, wenn man einen politischen Linksruck befürchtet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Bedford-Strohm wahrscheinlich eher nicht CSU wählt: Sein Einsatz für den Mindestlohn und die offenen Grenzen für Flüchtlinge mögen es zeigen. Aber müsste nicht auch vor einer Politisierung gewarnt werden, wenn offensichtlich konservative Positionen von den Kirchen vertreten werden würden? Die Tatsache, dass das derzeit nicht der Fall ist, zeigt meines Erachtens auch, dass viele so genannte „liberale Theologen“ den öffentlichen Diskurs zu ethischen Fragen etwa zwar kritisch begleiten, etwa als Referenten auf Tagungen, in Fachzeitschriften und auf universitären Veranstaltungen, dass sie aber längst nicht so in der Öffentlichkeit stehen wie ihre Kollegen von der Öffentlichen Theologie. Dass liegt auch an deren starker Identifikation von Theologie und Kirche, was etwa Graf stark kritisieren würde. Das bedeutet aber auch: Es steht derzeit ein Mann an der Spitze der EKD, der mit enorm viel Charisma und Missionsgeist für seine Kirche einsteht und der das Schlagwort einer Öffentlichen Theologie auf vielen Kanälen zu verkörpern vermag. Er kommuniziert schnell und tagesaktuell, er setzt sich für einen Aufbruch der Kirche in der Digitalisierung ein und er versteht es, Menschen für sich einzunehmen. Das eher spröde und universitär-intellektuelle Auftreten anderer Theologen kann da leicht untergehen. Denn wir dürfen an dieser Stelle nicht vergessen: Es handelt sich hier um einen Streit auf hohem Niveau: Die Tatsache, dass der Bundesfinanzminister sich kritisch auf den Protestantismus bezieht, das spricht doch dafür, dass wir uns aktuell in einem lebendigen Diskurs über das Verhältnis von Religion und Gesellschaft befinden – und das ist doch in jeglicher Hinsicht sehr erfreulich!

Anmerkungen

  • 1 Robert N. Bellah: „Civil Religion in America“, in: Daedalus. Journal of the American Academy of Arts and Sciences, 96 (1967), Boston, Massachusetts, 1–21.
  • 2 Huber, Kirche und Öffentlichkeit, 646.
  • 3 A.a.O, 651.
  • 4 Bedford-Strohm, Gemeinschaft, 433.
  • 5 Ebd.
  • 6 Heinrich Bedford-Strohm: Position beziehen. Perspektiven einer öffentlichen Theologie, München 2012, 9.

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