Programm WiSe 2016/17

Im kommenden Wintersemester geht die Vortragsreihe „Junge Akademie“ zu aktuellen Themen in Theologie und Gesellschaft in die zweite Runde. Auch in diesem Semester will das innovative Format alle an einen Tisch bringen: Studierende präsentieren ihre Seminararbeit, Forschende ihre Dissertation und Engagierte ihr Spezialthema. Dabei war das Interesse unter den Vortragenden so groß, dass wir kurzerhand aus dem 14täglichen einen wöchentlichen Turnus machten, um alle unterzubringen.

Die Veranstaltung beginnt um 18h in den Gemeinderäumen der Universitätskirche St. Markus (Gabelsbergerstraße 6, München). Zuerst kommt der Vortrag, dann der Pizzabote und die Diskussion.

04.10.2016 Deborah Dittmer: Erlösung nach Paulus – wodurch, wovon, wozu?

Kaum ein anderer Begriff hat in der christlichen Tradition eine solche Wirkmächtigkeit zu verzeichnen wie derjenige der Erlösung. Paulus war einer der ersten, der ihn gebrauchte, um damit die Bedeutung des Todes Jesu zum Ausdruck zu bringen. Um die theologische Tragweite der paulinischen Erlösungskonzeption zu erschließen, stehen wir heute vor der Aufgabe, unsere hermeneutische Brille abzulegen und die 2000 Jahre alten Texte in ihrem antiken Umfeld selbst sprechen zu lassen.

11.10.2016 Sabrina Hoppe: Öffentliche Theologie

Was verbirgt sich hinter dem Programm einer „Öffentlichen Theologie“, das unter dem Ratsvorsitzenden der EKD, Bedford-Strohm, derzeit zu Popularität gelangt? Agiert die Kirche damit als politischer Akteur? Nimmt sie einfach nur Stellung zu gesellschaftlichen Themen? Oder beansprucht sie dabei einen Sonderstatus als Bekenntnisgemeinschaft? An diesem Abend soll es nach einem einführenden und begriffsklärenden Vortrag darum gehen, im gemeinsamen Gespräch die fließenden Grenzen zwischen politscher Predigt, kirchlicher Parteipolitik und engagiertem Glauben zu hinterfragen.

18.10.2016 Tia Pelz: „Gott will die Wende“. Die friedliche Revolution in Predigten von 1989/90 

Die Revolution von 1989 kam für die meisten Deutschen vollkommen unerwartet, gleich einem Wunder. Viele Pfarrer engagierten sich in Bürgerinitiativen und Parteien, hielten Friedensandachten und organisierten Demonstrationen. Wie schlugen sich diese Erfahrungen in Predigten mecklenburgischer und pommerscher Pfarrer nieder? Welche politischen Hoffnungen hegten sie? Und welche theologischen Erklärungen fanden die Pfarrer für das „Wunder der Einheit“? War die Einheit überhaupt das Ziel? Fragen, anhand derer wir ins aktuelle Gespräch kommen werden über das Verhältnis von Politik und Kirche, Staatsformen und Reich Gottes.

01.11.2016 Sarah Jäger: Frauen und Freiheit. Perspektiven von der Reformation bis in die Gegenwart

Der Vortrag fragt danach, wie sich die reformatorische Freiheit des Gläubigen vor Gott für Frauen auswirkte. Wie veränderte sich ihre rechtliche, politische und soziale Rolle durch die Jahrhunderte seit der Reformation und welche Rolle spielte dabei der Protestantismus?

08.11.2016 Georg Kalinna: Die Rückkehr des Nationalen und der christliche Glaube – Überlegungen zur theologischen Interpretation der Nation im Anschluss an H. Richard Niebuhr

Ob Alternative für Deutschland, Pegida, Brexit oder Marine Le Pen. Das Nationale ist zurück. Doch was bedeutet diese Rückkehr des Nationalen aus theologischer Sicht? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Vortrag im Anschluss an den amerikanischen Theologen H. Richard Niebuhr.

15.11.2016 Mario Berkefeld und Florian Schiffbauer: Politik und Wirtschaft als Tragödien der Kultur – Simmel und Cassirer im Streit

In der ersten Hälfte 20. Jahrhundert hatten Georg Simmel und Ernst Cassirer, zwei der bedeutendsten Kulturphilosophen ihrer Zeit, einen literarischen Disput geführt, der an Relevanz auch heute nichts verloren hat. Diesen Konflikt über Kultur, Technik und Normative Maßstäbe für unser Zusammenleben wollen wir auf dem Podium lebendig werden lassen. Davon ausgehend stellt sich die Frage, ob die Geldwirtschaft und politische Mythen für Tragödien der Kultur gehalten werden können.

22.11.2016 Tamara Späth: Otto Carl Kiep – als patriotischer Christ dem Nationalsozialismus widerstehen 

Otto Carl Kiep (1886-1944) war ein Vertreter des bürgerlichen Widerstandes der älteren Generation, da er vor 1900 geboren wurde und die Weimarer Republik auf- und untergehen sah. Er war also noch von dem Kulturprotestantismus des Kaiserreichs geprägt, hatte aber auch die Demokratie in Deutschland miterlebt. Politisch tätig als Diplomat war Kiep schon während der Weimarer Zeit. Als Hitler an die Macht kam, konnte er weiterhin politisch tätig bleiben und auch allerlei Kontakte in den bürgerlichen Kreisen der Zeit (Moltke, Oster, Canaris) aufrecht erhalten.

06.12.2016 Matthias Kachel: Soziale Arbeit – ein politischer Beruf?!

In der Soziarbeitstheorie wird viel über den politischen Gehalt der Sozialen Arbeit gesprochen – doch wie erleben Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter ihre Praxis? Sie arbeiten am Empowerment, der Selbstermächtigung ihrer Klientinnen und Klientinnen – und fühlen sich oft selbst machtlos. Per Gesetz sind sie in vielen unterschiedlichen politischen Kontexten vertreten – und ihre Theoretikerinnen und Theoretiker streiten über ihren Politikgehalt. Haltungen und Meinungen von Vertretern aus Studium und Praxis zu diesen Spannungsfeldern und zu ihren eigenen berufspolitischen Chancen und Möglichkeiten werden für den Vortrag gesammelt, dargestellt und in einem qualitativen Forschungsprozess analysiert.

20.12.2016 Niklas Schleicher: Natürlichkeit in der Alltagsmoral

Gerade in der sogenannten „Alltagsmoral“ (Dieter Birnbacher) spielt es für die Orientierung eine immer größere Rolle, ob und das etwas als „natürlich“ klassifiziert werden kann. Im Vortrag möchte ich einzelne thematische Felder (Geburt, Nahrung) beleuchten und überlegen, wieso in diesen die Orientierung an „Natur/Natürlichkeit“ eine Rolle spielt. Oder anders: Was meinen Menschen damit, wenn sie etwas als „natürlich“ klassifizieren und wieso sollte es besser sein als das „Künstliche“?

10.01.2017 Teresa Klement: Protestantische Protestkultur

Die „langen 1960er Jahre“ waren von Protestaktionen der Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen geprägt. Welche Rolle spielen dabei „protestierende Protestanten“? Und wie legitimieren sie selbst ihren Protest? So soll den Fragen nach Widerstand, Gewissensfreiheit, zivilem Ungehorsam und nicht zuletzt nach Gewalt und ihrer sozialethischen Legitimation nachgegangen werden.

17.01.2017 Andreas Schöffmann: „Entscheide, Kämpfe, Optimiere!“ – Die Reise des Helden in digitalen Zeiten

Die Geschichten einer Gesellschaft können als eine Art Selbstkonstitution und Ausdruck einer Selbstverständigung verstanden werden. Sie sind Mittel der Welterschließung und der Verhandlung von Werten. Eine besondere Stellung nehmen dabei ProtagonistInnen und – im Besonderen – HeldInnen ein. Untersucht werden soll die Frage, ob sich mit dem neuen narrativem Medium Computerspiel auch neue Formen epischer HeldInnen – im Vergleich zu HeroInnen früherer Zeiten – finden lassen.

31.01.2017 Alexandra Morath: Der Oman und seine religiöse Toleranz und Vielfalt

Auf interreligiösen Pfaden und dem Weg des Dialogs: Wir erkunden den Oman. Seine Natur, Kultur und Geschichte reizen dazu, sich diesen Teil der arabischen Halbinsel genauer zu besehen. Dort ergibt sich ein Bild, das durch Pluralität und Offenheit, Toleranz und Gastfreundschaft eine ganz besondere Anziehungskraft entfaltet.